Internationale Journalismusforschung

Journalistisches Handeln und Arbeiten sind eingebettet in gesellschaftliche, politische, historische, kulturelle und ökonomische Kontexte. Das heißt, der Journalismus wird in seiner konkreten Ausprägung von diesen Kontexten beeinflusst, nimmt zugleich durch seine Arbeit aber wiederum selbst Einfluss. Zu verstehen, wie journalistische Praxis und die daraus entstehenden Produkte zustande kommen, aber auch, wie sich Journalismus angesichts globaler Vernetzung und Anpassung entwickelt, sind zentrale Fragen der internationalen Journalismusforschung. Für (angehende) Journalistinnen und Journalisten kann ein Bewusstsein für solche Zusammenhänge nützlich sein, um den eigenen Beruf besser zu verstehen und sich mit ihrer Arbeit auch in unterschiedlichen Kontexten zurecht zu finden.

Im Bereich der Forschung am Journalistischen Seminar widmen sich Tanjev Schultz und Julia Lück aktuell Fragen der Transnationalisierung journalistischer Arbeit (beispielsweise im Zusammenhang mit der Arbeit internationaler journalistischer Recherchenetzwerke) und dem Zustandekommen globaler Öffentlichkeiten.

In einem gemeinsamen Projekt mit KollegInnen des Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford beschäftigen sich Tanjev Schultz, Julia Lück und Sabine Kieslich außerdem mit den Frage “Wer wird heute JournalistIn und wie vielfältig sind Nachrichtenredaktionen”? Dazu führen sie ExpertInnen-Interviews mit Chefredaktionen und Leitungen von Journalismusprogrammen in Deutschland, Großbritannien und Schweden. Ziel ist es durch die vergleichende Perspektive Strukturen aufzudecken, die personelle Vielfalt in Redaktionen fördern oder verhindern.

In ihrer Dissertation beschäftigte sich Julia Lück vergleichend mit der deliberativen Qualität narrativer Nachrichten zu Klimawandel und Klimapolitik in Deutschland, den USA und Brasilien. In ihrer Arbeit stellt sie insbesondere heraus, wie journalistische Rollen und die journalistische Tradition eines Landes die konkrete Ausprägung der Berichterstattung im Hinblick auf Narrativität und dem deliberativen Beitrag beeinflussen können.