Nachruf | 14.09.2026
Prof. Dr. Volker Wolff (1951-2026)
Das Journalistische Seminar (JS) trauert um Volker Wolff. Es hat einen seiner prägenden Professoren verloren, einen seiner wichtigsten Lehrer und Forscher, einen Freund und Förderer.
Volker Wolff hat mehr als zwanzig Jahre lang – von 1995 bis 2016 – als Professor für „Print-Journalismus“, wie es früher hieß, am JS gelehrt und geforscht. Er war ein nimmermüder Organisator, Schreiber und Rechner, ein Journalist alter Schule in allerbestem Sinne.
Von Hause aus Wirtschaftsjournalist, zunächst beim „Handelsblatt“ und bei „Capital“, dann als Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“, brachte er unschätzbar wertvolle Erfahrungen aus der Berufspraxis mit. Zugleich war er als Professor sehr interessiert an einer Reflexion der journalistischen Rolle und Leistungen. In Wolffs Zeit am JS fiel die komplizierte und am Ende gelungene Umstellung des Curriculums von einem Aufbau- auf einen Master-Studiengang. Zeitweise war er Dekan des sozialwissenschaftlichen Fachbereichs der JGU. Wolffs Einsatz trug entscheidend dazu bei, die journalistische Ausbildung in Mainz fest in der Universität zu verankern.
Journalismus als eine für die Demokratie essenzielle Instanz zu verstehen, die mithilft, die Mächtigen zu kontrollieren, bedeutete für Volker Wolff immer auch: Der Journalismus muss seinerseits kontrolliert und kritisiert werden, u.a. durch entsprechende Forschung und einen wachen Medienjournalismus. Für ihn war die Unabhängigkeit des Journalismus zentral, er kämpfte für eine saubere Trennung zwischen journalistischen Angeboten und den ökonomischen Interessen von Medienunternehmen. Er kannte kein Pardon, wenn es darum ging, ethische Verstöße anzuprangern.
Volker Wolff stand für einen Qualitätsjournalismus, dem sich das JS auch heute verpflichtet fühlt.
Besonderen Sinn hatte er für Formen des Servicejournalismus, die einen Nutzwert versprechen: sorgfältig recherchierte Beiträge beispielsweise zu Finanzthemen, wie er sie noch in seinem viel zu kurzen Ruhestand für die FAZ schrieb. Eine Festschrift, die zu seinem 65. Geburtstag im Herbert von Halem Verlag erschien, trug deshalb den Titel „Journalismus zwischen Autonomie und Nutzwert“ (hrsg. von Karl Renner, Tanjev Schultz und Jürgen Wilke). Der Band zeigt in der Vielfalt der Beiträge und ihrer Autorinnen und Autoren, wie stark Wolff die Branche geprägt hat und wie sehr er für den Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis stand.
Bis heute unverzichtbar für die Grundlagen-Lehre am JS ist Volker Wolffs Lehrbuch über „Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus“, das er vor fünf Jahren zusammen mit Sabine Kieslich und Tanjev Schultz in einer neuen, komplett aktualisierten Auflage vorlegte (ebenfalls im Herbert von Halem Verlag). Zuvor hatte das Buch bereits in zwei Auflagen als zentrale Referenz im Studium gedient, und das nicht nur in Mainz.
Volker Wolff hat mehrere Generationen von Journalistinnen und Journalisten ausgebildet und geprägt. Auch in seinem Ruhestand nahm er Anteil an den Entwicklungen des JS, stand seinen Kollegen und Kolleginnen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die kleinen und großen Fragen der Ausbildung (und des Lebens) ging – und betonte ansonsten, sich auf keinen Fall einmischen zu wollen. Immer wieder brachte er seine Freude darüber zum Ausdruck, dass sich der Journalismus-Studiengang des JS weiterhin hoher Nachfrage erfreut und Absolventinnen und Absolventen hervorbringt, die im Sinne des Qualitätsjournalismus wirken und für viele wichtige Medien arbeiten. Die von ihm entwickelten JS-Fortbildungsakademien für Verbraucher- und für Finanzjournalismus werden noch heute erfolgreich angeboten und wirken in den Berufsalltag unzähliger Kolleginnen und Kollegen hinein.
Volker Wolff hatte noch viel vor, vor allem mit seiner Familie, die ihm extrem wichtig war. Es ist sehr traurig, dass er diese Pläne nicht mehr verwirklichen kann – und nun auch wir am JS einen Menschen schmerzlich vermissen, der so viel Gutes geschaffen und hinterlassen hat.